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Assads frommer Gesandter
Assads frommer Gesandter

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Ephräm II. fordert die Deutschen auf, sich mit dem syrischen Präsidenten gegen den Terror zu verbünden



Ihre Heiligkeit, Syriens Christen flüchten nach Europa. Sind Sie bald ein Hirte ohne Schützlinge?

Wir Christen stehen im Nahen Osten unter großem Druck. Es besteht die Gefahr, dass die Weltgegend, in der das Christentum entstand, bald keine christlichen Einwohner mehr hat. Damit muss sich die ganze Welt befassen.

Was sagen Sie denen, die gehen?

Ich sage: Ich wünschte, ihr würdet bleiben. Aber ich kann euch und eure Familien nicht beschützen. Deshalb habe ich Verständnis dafür, wenn ihr geht.

Würden Sie Ihre Gläubigen gern zur Rückkehr bewegen?

Ich glaube nicht, dass sie zurückkommen, eine kleine Minderheit vielleicht. Das ist traurig, aber es ist so. Sie sollten sich in Deutschland integrieren. Sonst werden sie sich immer als Fremde fühlen.

Drohen Konflikte zwischen Syrern und Deutschen?

Die meisten Flüchtlinge sind ja Muslime, das kann schon zum Problem werden. Wenn die Menschen ihr Land verlassen, werden sie immer ein bisschen konservativer. Wenn sie dann versuchen, anderen ihre Religiosität aufzudrücken, wird es gefährlich. Bereits jetzt werden die Christen in den Flüchtlingscamps von den Muslimen verfolgt. Und ich habe Informationen, dass der IS einige hundert seiner Leute mit den Flüchtlingen nach Deutschland geschickt hat. Niemand in Europa ist sicher. Das Terrorproblem muss schnell gelöst werden.

Was schlagen Sie vor?

Die internationale Gemeinschaft muss mit den Syrern und mit der syrischen Armee zusammenarbeiten.

Also mit der Regierung Assad?

Ja, natürlich, warum nicht? Die Terroristen sind der Gegner der syrischen Regierung, aber auch der Gegner der USA und der Europäer. Warum sollte man sich zur Bekämpfung dieses Gegners nicht zusammenschließen?

Weil sich die Regierung von Baschar al-Assad schrecklicher Verbrechen schuldig gemacht hat!

Natürlich gibt es jetzt Hass; Blut ist geflossen. Wir verstehen, dass es in Syrien Veränderungen geben muss. Aber jetzt haben wir erst mal ein wichtigeres Problem zu lösen.

Wie könnte denn eine Lösung des Syrienkonflikts aussehen?

Das syrische Volk ist kriegsmüde. Wenn sich Europa, die USA, Russland und regionale Mächte zusammensetzen würden, könnte man leicht eine Einigung erzielen.

Wäre eine Teilung Syriens sinnvoll?

Das denke ich nicht. Ich möchte, dass Syrien als ein Staat erhalten bleibt.

Warum sind die Friedensgespräche gescheitert?

Weil die Gruppen, die dazu eingeladen wurden, nicht dieselben Werte teilen. Viele islamistische Gruppen etwa haben größte Probleme damit, Syrien als säkularen Staat zu definieren. Sie wollen keine Trennung von Staat und Religion. Die ist aber grundlegend. Die größte Angst der Christen ist eine muslimische Regierung in Syrien - so wie Mursi und seine Muslimbrüder sie in Ägypten zu installieren versucht hatten.

Sie waren kürzlich selbst Zeuge eines Terroranschlags.

Vor zwei Wochen feierte ich nach einem langen Gottesdienst mit 500 Gläubigen in einem Schulgebäude in Qamishli im Nordosten Syriens. 30 bis 40 Meter entfernt sprengte sich ein Attentäter in die Luft. Zwei Wachleute starben. Einen kannte ich persönlich. Er hatte mich kurz zuvor gebeten, für seinen kleinen Sohn zu beten, dem eine Herzoperation bevorstand. Ich fragte den Mann nach seinem Namen, damit ich ihn bei der Fürbitte nennen konnte. Er sagte, er heiße Ahmed. Da wusste ich, dass er Muslim ist. Jetzt, wo er tot ist, fühle ich mich für seine Familie verantwortlich.

Quelle: http://www.focus.de/magazin/archiv/politik-und-gesellschaft-assads-frommer-gesandter_id_5734468.html