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Interview mit Antiochia Cicek, 1. Vorsitzende des „Suryoye Kultur- und Sportvereins Augsburg e.V.“
„Suryoye Augsburg mit neuem Vorstand in Aufbruchstimmung“
Antiochia Cicek steht als 1. Vorsitzende seit November 2018 an der Spitze des aramäischen Vereins in Augsburg. Im Interview erzählt sie dem Web-Team von Suryoye Augsburg  über die Beweggründe ihres Engagements, die Aufgaben des sehr jungen Vorstandes, über die Zukunftsaussichten von Suryoye Augsburg und erzählt uns auch einiges über sich selbst als Mensch.


Zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch nachträglich zur Wahl als Vereinsvorsitzende an dich und an deine Vorstandsmitglieder!   

Wer ist eigentlich Antiochia Cicek? Kannst Du uns bitte etwas über dich erzählen?
„Kurzversion: Ono Bartho Suryoyto d'Bethnahrin no.
Langversion: Es gibt da noch das Leben außerhalb des Vereins. Hauptberuflich bin ich in der Bank als stellv. Teamleiterin tätig. Nebenbei habe ich mir mein Werk "ARAM Events" aufgebaut. Sehr oft fragen mich meine Mitmenschen: "Wie machst du das alles?". Meine Antwort lautet: Mit meinem Herzen! - Wenn man den Willen dazu hat und ein reines Herz besitzt, wird dir Gott immer Kraft schenken!“

Warst Du schon vorher in diesem Verein aktiv? Wenn ja, seit wann und welche Aufgaben bzw. Positionen hast Du vorher ausgeübt?
„Ja, ich war vorher die 2. Vorstandsvorsitzende, von Dez. 2016 bis Nov.2018. Vor dieser offiziellen Amtszeit habe ich unseren Verein bei der Planung der "Hage" (Events) unterstützt.“

Nun Du bist die erste aramäische Frau in Deutschland, die den Posten des 1. Vorsitzenden in einem Kulturverein übernommen hat. Wie fühlt sich das an?
„Es ist bewundernswert zu sehen, wie die Mitmenschen darauf reagieren. Eine große Verantwortung habe ich auf mich genommen, aber es erfreut mich umso mehr, dass unser Verein durch diese historisch bundesweiten Wahl nun ein Novum darstellt. Dies verdanken wir auch meinen Vorstands- und Vereinsmitgliedern, die ihr Vertrauen in mich gesetzt haben.“

 
Wie kam es zu deinem ehrenamtlichen Engagement für den Verein?
Ich bin und war schon immer stolz darauf eine Aramäerin zu sein. Ich liebe unsere Kultur, Sprache und Religion und mit Liebe für sein Volk zu arbeiten, ist der richtige Weg, um unsere aramäischen Werte über Generationen weiter aufrecht zu erhalten.“

Kannst Du uns etwas über deine Mitstreiter bzw. Gefährten im Vorstand erzählen? Welche Aufgaben haben sie und welche Aktivitäten sind in den einzelnen Abteilungen des Vereins vorhanden?
Meine Vorstandsmitglieder sind ein wichtiger Bestandteil unseres Vereins, denn jeder Einzelne von ihnen hat seine Stärken, die er nicht nur in seiner Abteilung einsetzt, sondern gewiss in allen Bereichen. Wir sind ein Team und unterstützen uns gegenseitig, auch über den Tellerrand hinaus. In den verschiedenen Abteilungen, unter anderem in der Frauen-, Jugend- und Tanzgruppe, im Fußball…, sind Aktivitäten geplant, die sowohl die Jugend, als auch die ältere Generation erreichen sollen.“

Welche Chancen und Herausforderungen siehst Du als Vorsitzende für unseren Verein?
„Diese Amtszeit ist eine Herausforderung, die wir als Chance nutzen, um zu wachsen. Wir werden unser Bestes geben, um an der Erfolgsgeschichte unseres Vereins stetig zu arbeiten. Es wird nicht leicht, aber es wird sich lohnen - Mo ba Mo!“

Die Jugend ist ein sehr wichtiger Faktor in einem Vereinsleben. Welche Pläne habt Ihr, um die Jugend dazu zu bewegen, sich Euch anzuschließen?
Dazu möchte ich nichts sagen, lediglich: positives Denken und der Glaube an die Jugend und an sich selbst, sind der Weg zum Ziel - bu haylo daloho!“

Wo siehst Du den "Suryoye Kultur- und Sportverein Augsburg e.V." in 5 Jahren?
Da wo wir uns wohl fühlen und in sicheren Händen aufgehoben sind - zu Hause!“

Du bist ein Kind der 3. Generation der Aramäer in Augsburg. Siehst Du dich eher als eine Aramäerin oder eine Deutsche mit aramäischen Wurzeln? Kann man beides sein? Vereinbart sich das Eine mit dem Anderen?
„GANZ KLAR - 100 % ARAMÄERIN! Es wäre wunderschön, wenn wir Aramäer als eine eigenständige nationale Bevölkerungsgruppe anerkannt werden, um unsere Nationalität offiziell auf Papier (Ausweis) zu bringen.“
 
Nun die Aramäer in Deutschland (ja sogar in Europa) sind das Paradebeispiel einer gelungenen Integration. Kann die Jugend für die Zukunft die kulturellen, religiösen und sprachlichen Werte trotzdem am Leben erhalten?
„Ja! Es ist zwar nicht einfach, aber man muss es nur Wollen und sich für die aramäischen Werte interessieren, sie mit Respekt und Stolz bewahren.“

Antiochia, Du bist ja hier geboren und aufgewachsen. Warst Du schon mal im Tur Abdin und was fällt Dir bei dem Wort Heimat ein?
Heimat ist der Ort, wo man sich wohl fühlt, wo man seine Kultur, Sprache und Glaube leben kann und sie am Leben erhalten kann. Meine Heimat ist Bethnahrin - Tur Abdin. Leider war ich noch nicht dort, aber wenn die Zeit da ist, werde ich mein Heimatland besuchen!“

Du warst vor ein paar Monaten auf einer Pilgerreise im Heiligen Land. Was kannst Du uns darüber erzählen?
„Das Heilige Land ist voller bedeutsamer Orte für uns Christen, denn das ist das Land der Bibel.
Die wichtigste Stadt ist Jerusalem, dort hat Jesus seine letzten Tage verbracht, die Kreuzigung und die heilige Auferstehung waren dort.
Im Kloster Mor Markus in Jerusalem lebt der Mönch Abun Dayroyo Boulus, der uns dort zu allen Sehenswürdigkeiten begleitet hat. Zudem bin ich fasziniert, wie er innerhalb von nur 10 Minuten das "Vater unser" in aramäischer Schrift auf Schafsleder schreibt, aufgeteilt in 7 Zeilen, was bedeutet, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat und am siebten Tag ruht. Dieses handgeschriebene Werk verschenkt er überall, um unsere Muttersprache aufrecht zu erhalten.
 
Um diese atemberaubende Reise als Erinnerung für immer festzuhalten, habe ich mir "das Vater unser" nach seiner Handschrift auf meinem Arm tätowieren lassen. (siehe Videoclip)
 
Außerdem habe ich in Israel Schadi Challul, Vorsitzender der Vereinigung der Israelisch-Christlich-Aramäischen Gemeinde kennengelernt, der von seinem Traum gesprochen hat, eine Christlich-Aramäische Stadt im Norden des Landes zu bauen.“

 
Antiochia, wir wissen, dass im Jahre 1915 ein Völkermord (aramäisch SAYFO) an den Aramäern, Armenier und Pontus-Griechen verübt worden ist. Bei diesem Völkermord haben über 500.000 Aramäer, sprich zwei Drittel unserer Bevölkerung ihr Leben verloren. Welche Bedeutung hat Sayfo 1915 für dich?
„Der Sayfo ist ein trauriges Ereignis, das mit der ganzen Welt geteilt wird. Wir sind es den Opfern schuldig, jedes Jahr an sie zu gedenken!
Wenn der Völkermord von 1915 offiziell anerkannt werden würde und dieser Gedenktag als Feiertag verkündet werden würde, würde dies unsere aramäische Identität 100 % stärken.“

Welche  Kontakte haben die Aramäer zu der politischen Landschaft in Augsburg?
Nun die Aramäer in Augsburg haben schon in den 1980er Jahren den Kontakt zu den Politiker in Augsburg geknüpft. Speziell unser Verein hat in erster Linie die Nähe zu den Mitgliedern der Christlich Sozialen Union (CSU) in Augsburg gesucht, vielleicht weil ihrer Meinung nach diese Partei das "christlich sein" repräsentiert. Das ist im Laufe der Jahrzehnte so geblieben und es wurden einige wichtige Veranstaltungen, wie z.B. das Deutsch-Aramäische Freundschaftsfest unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Peter Menacher (CSU), auf dem Augsburger Rathausplatz gemeinsam auf die Beine gestellt.
Unter anderem entstand aus dieser Freundschaft zur CSU 2014 die
Deutsch-Aramäische Gesellschaft (DAG). Vorsitzender der DAG ist Dr. Volker Ullrich, der Mitglied im Deutschen Bundestag ist. Der zweite Vorsitzende der DAG ist unser Vereinsmitglied Paul Egoo. Aktuell pflegen wir gute Kontakte zu M.A. Johannes Hintersberger, Staatssekretär a.D. und Andreas Jäckel. Beide sind im Bayerischen Landtag für die CSU-Fraktion und natürlich haben wir einen sehr guten Draht zu unserem "Freund" Dr. Volker Ullrich. Weiterhin sei zu erwähnen, dass wir viele Mitglieder in der Augsburger CSU haben, unter ihnen auch zwei junge Aramäer aus unserem Verein, Gabriel Georgs und Sami Akpinar, die in den jeweiligen Ortsverbänden die Position des 1. Vorsitzenden (JU) bzw. 2. Vorsitzenden (Ortsverband Augsburg Mitte) innehaben. Wir als Verein sind aber auch offen für die anderen politischen Parteien in Augsburg.




Antiochia jetzt würden wir gerne ein paar persönliche Sachen von dir wissen wollen.


Dein Vorname ist ja nicht alltäglich in der aramäischen Gesellschaft. Welche Bedeutung hat es?
Ich wurde nach unserer Kirche, der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien benannt, eine der ersten urchristlichen Gemeinden, welche in Antiochien (heute Antakya), gegründet wurde.“

Stell dir vor Du hättest die Möglichkeit eine Zeitreise in die Vergangenheit zu machen. Wohin würde dich die Reise führen?
„Israel.“

Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?
„In meinen Augen ist mein verstorbener Opa, Sikro Cicek, eine berühmte Persönlichkeit. Er wurde von Allen gemocht. Mein Opa wollte immer, dass einer seiner Söhne die Position des Vereinsvorsitzenden übernimmt, so wie auch von den Mitgliedern erwünscht war. Wie gern ich ihm sagen würde, dass nun ich seinem Wunsch nachgegangen bin. Er wäre sicher stolz auf mich.“

Für welche drei Dinge in deinem Leben bist du am dankbarsten?
„Ich bin für alles dankbar, was Gott mir gibt!“

Welche drei aramäischen Sänger sind deine Favoriten?
Ich habe da so meine Favoriten, aber es gibt nur eine Legende - Fuad Ispir.“

Dein Lieblingsfilm?
Der indische Bollywood Film: In guten wie in schweren Tagen.“

Dein Lieblingsessen?
„Fleisch - ich liebe Steaks.“

Was war früher dein liebstes Schulfach und was genau hast Du gemocht?
„Sport – vorallem das Fußballspielen hat mir am meisten Spaß gemacht. Auch außerhalb der Schule habe ich sehr oft mit meinen Brüdern und Cousins Fußball gespielt.“

Wenn Du dir ein Land aussuchen könntest: In welchem würdest Du gerne leben?
In meinem Heimatland, Bethnahrin - Tur Abdin.“

Deine Lieblingsfarben?
„Rot und gold.“

Antiochia, Du hast dein Werk „ARAM Events“ erwähnt. Wieso hast du eigentlich diesen Namen gewählt?
„Der noch so schönste und kreativste Name würde mich nicht weiterbringen. Wieso sollte ich dann nicht die Möglichkeit nutzen, einen Mehrwert zu schaffen, indem ich den Namen unserer Nation ein Stück verbreite, auch wenn ich damit nur ein wenig Menschen erreiche.

Was wünscht Du dir von den Mitgliedern des "Suryoye Kultur- und Sportvereins Augsburg e.V."?
„Wir investieren enorm viel Zeit und Kraft, um unseren Verein am Leben zu erhalten, also wünsche ich mir von unseren Mitgliedern, dass sie uns unterstützen, indem sie bei allen Aktivitäten / Veranstaltungen anwesend sind!“

Vielen Dank Antiochia !
Web-Team Suryoye Augsburg

  
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